Da ich das Glück hatte, in diese Kirche hineingeboren zu werden, kann ich von mir sagen, dass ich 84 Jahre live erlebt habe und davon berichten kann. Der Start war 1942 im Zweiten Weltkrieg etwas holprig, weil er mit einer Flucht aus Prag begann (vergl. Broschüre: Jagowstr. 19), in welcher geschildert wird, wie ich auf den Rücken meiner beiden älteren Geschwister nach Berlin kam, um in der Wohnung meiner Großeltern Zuflucht zu finden. Parallel dazu begann unsere Johannische Kirche nach dem Kirchenverbot von 1935 auch einen Neustart. Unermüdlich sammelte unser nachfolgendes Oberhaupt Frieda Müller, die über Deutschland versprengten Mitglieder unserer von Joseph Weißenberg 1926 gegründeten Kirche. Ich gehörte zur Gemeinde Spandau, unser Gemeindeführer war Rudolf Schneider. Unsere Gottesdienste wurden meist in angemieteten Räumlichkeiten in Schulen abgehalten. Ich erinnere mich an die Schulaula des Kantgymnasiums im 4. Obergeschoß, natürlich ohne Aufzug. Später in der Schulaula der Freiherr-vom-Stein-Schule. Ein Gemeindechor wurde auch organisiert. Da die ganze Familie Mattstedt sangesfreudig ist, war es selbstverständlich, dass sie vollzählig im Chor vertreten war. Der Religionsunterricht fand in der Achenbachstraße in der Wohnung von Christel Westerwick statt. In dieser Zeit fanden unsere Gesamtberliner Gottesdienste in der Hildegard-Wegscheider-Schule in der Lassenstraße in Berlin-Wilmersdorf statt.
Hier wurde dann auch der Konfirmandenunterricht abgehalten. Mein Konfirmandenlehrer war Eberhard Köhler, der mich 1956 auch einsegnete. Mit meinem Freund Joachim Wiese, ebenfalls Spandauer, fuhren wir mit der S-Bahn bis Bhf. Halensee und liefen den Rest zu Fuß. Das Bahnticket kostete damals 20 Pfennig und wurde meist durch vorherigen Pfandflaschenverkauf realisiert. Bei diesem Fußmarsch zur Hildegard-Wegscheider-Schule kamen wir in der Bismarckallee Ecke Herthastraße an einem Ruinengrundstück vorbei.
Für mich war es unverständlich, wie eine solche Ruine ungenutzt vor sich hingammelte, zumal sich damals schon die Villenkolonie Grunewald mit tollen Neubauten und restaurierten Altbauten schmückte.
Hätten Joachim und ich uns träumen lassen, dass wir hier mal unseren Lebensmittelpunkt mit kirchlichen Veranstaltungen, Gottesdiensten, Konzerten, Arbeitseinsätzen und Kabaretts finden würden? Hätten wir uns träumen lassen, schon zwei Jahre später an einem riesigen, verrosteten Zaun (vergl. Broschüre: „Ein Zaun mit Geschichte“) unsere jugendliche, überbordende Hingabe zum Werk des Meisters abzuarbeiten? Es gab mal eine Zeit, da hatten wir in unserer Kirche noch Frauen- und Männergruppen. Ich erinnere mich an meine Zeit der Männergruppenleitung für Steglitz. Mir zur Seite standen in dieser Zeit Joachim Grunow, Ingo Hanich und Dieter Baroffke. Alle haben sich inzwischen „nach oben“ verabschiedet, aber haben einen sehr, sehr kameradschaftlichen Eindruck in mir hinterlassen.
Ich erinnere mich an unseren Spiritus Rektor Helmut Raeschke und an eine Kabaretttruppe, der Siegfried Lehmann, Siegrid Lehmann, Lotti und Renate Busse, Karin Schätzle, Gerhard Roscher, Helmut Elger, Michael Pranzner, Joachim Steffen uvm. angehörten. Es war eine tolle Gemeinschaft, die einen geschwisterlichen und geistlichen Fußabdruck hinterließ. Es sind viele Namen in dieser Abhandlung, aber alle sind erwähnenswert, denn wir sind alle eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern. Und wenn wir unseren Glauben ernst nehmen, dann sind möglicherweise schon wieder einige in unseren Reihen, die uns brennend helfen wollen, geschwisterliche Nähe aufzubauen. Kürzlich zum Gemeindetag der Gemeinde Velten hatte der Geistfreund in seiner Rede die besondere Gemeinschaft in der sich die Weißenberger befinden u.a. angesprochen:
„Es ist ein Ehrentag für all jene, die mitgeholfen haben, diese Gemeinschaft zu festigen, in ihr zu schaffen, unermüdlich zu brennen für das Ziel, eine Gemeinschaft zu werden, die dem Herrn wohlgefällt. Und er selbst Joseph Weißenberg, der diese Bewegung ins Leben gerufen hat, durch die Kraft Gottes befähigt, hat er nichts lieber gewollt, dass seine Gemeinden Frieden untereinander halten, friedevoll miteinander umgehen…“
Wir alle sind Apostel, Abgesandte von Joseph Weißenberg, seiner Lehre, seinen Wundern, seinen Prophezeiungen. Dazu zählen besonders die 40 Zeitzeugen, die in 65 Begebenheiten mit Joseph Weißenberg in fünf Filmen berichten, und von Volker Hildebrandt zusammengestellt, während der Kirchentagswoche in der Friedensstadt am 26.8.2026 ab 18.30 Uhr und im SMH am 27.8.2026 ab 15.30 Uhr non stop, also ohne Unterbrechung laufen. Zwei Zeitzeugenfilme, die Hans Müller 1975 und 1977 herstellte, sind dabei und der Zeitzeuge Werner Manns, der von Kirchentagen zu des Meisters Zeiten berichtet.
Inzwischen ist eine Generation nachgewachsen, die diese Apostelgeschichten nicht kennen. Für diejenigen sind Zeitzeugenberichte besonders wissenswert und daher im diesjährigen Kirchentagsprogramm enthalten. Diese Zeitzeugenfilme werden angeboten als DVD oder Blu-Ray oder auf USB und können zu den Veranstaltungen erworben werden.