Chartres - Kathedrale aus Licht und Musik

Gemeindebrief
von Conny P.
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Vor einer 5-tägigen Reise in die schon mal in meiner Jugend besuchten Kathedrale habe ich viel gelesen über die gotische Baukunst, über die Sinnhaftigkeit der Zahlenverhältnisse, die den musikalischen Intervallen entsprechen, über die nur 27 Jahre Bauzeit im 12. Jahrhundert, über die unbekannten Baumeister, die diesen Bau erdacht und mit vielen Zuarbeitern und Spendern errichtet haben.

Dann nach langer Bahnfahrt in Chartres ankommen, den Hügel hinaufsteigen und wiedererkennend staunen über die Leichtigkeit des Baues trotz seiner Größe (innere Höhe von 37 m). Die Kathedrale liegt auf einem Felsen am höchsten Punkt der kleinen Stadt, die sich mit vielen kleineren, alten Häusern darum herum schart. Angekommen zu einem Seminar mit Singen, Schweigen, mit Gedichten von Rilke und vielen Betrachtungen um die und in der Kathedrale, das den Alltag weit hinter mir versinken lässt.

Oft konnten wir in die leere Kathedrale vor oder nach den offiziellen Öffnungszeiten, besonders berührend, wenn früh die Sonne langsam die bunten Fenster zum Leben erweckte und wir auf Anregung unseres Kursleiters Helge Burggrabe die Farben trinken konnten. Er spielte uns wunderbare Flötenmusik dazu und wir konnten wandeln, schauen und Plätze zum Stille-Sein aufsuchen. Auf ein Erklingen der kleinen Zimbel hin sammelten wir uns zum Singen von geistlichen Friedensliedern und wanderten danach zu unserem schönen Frühstücksbuffet.

„Friede sei mit dir, Friede sei mit mir, mögen alle Wesen in Frieden sein.“ „Shalom Salem, Shalom Salem“ „Oh signore, fa di me uno strumento della tua pace. Oh Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens.“ Sonnengesang der Franziskaner „Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden.“ „Hier bin ich“, „Ave Maria“, und andere.

Am Nachmittag und Abend gab es Gesprächskreise und Führungen in der Kathedrale und der alten Unterkirche, die auch schon in den abgebrannten Vorgängerkirchen bestand. Durch die Erklärungen kamen wir den Steinfiguren und Fenstern näher, erhielten Hinweise auf die Botschaften über Jesus, Maria, Noah, Johannes und andere Glaubensvorgänger. In großer Natürlichkeit, Demut und tiefem Wissen sprach Helge über den Glauben, die Taufe, den Tod als Übergang in die geistige Welt und über Gott, der oder die unser Werden und Wachsen ersehnt. Am vorletzten Abend konnten wir ein großes Labyrinth am Boden der Kathedrale begehen. Bei einem Durchschnitt von 12,5m sind wir in 28 Kehren 261,5m bis zur Mitte gegangen. Die vielen Kehren und Windungen stellen ein Bild unseres Lebensweges dar, den wir gehen und immer wieder an den Wendungen, an Schönheit und Schrecken wachsen und lebendiger werden können.

Die weisen Gedanken, die Texte von Rilke, die Schönheit der Kathedrale, das Gesehen-Werden, die spirituelle Gemeinschaft im Schweigen, Singen und Reden haben mich tief berührt und ich kehre mit großer Dankbarkeit zurück, in meinem Glauben, um überbrückende Gedanken bereichert und gestärkt in dem Willen, im anderen immer wieder die Gemeinsamkeiten zu suchen und das Licht und sein Wachsen zu sehen.

Chartres – ein Ort zum Wiederkommen

Helge Burggrabe

Ein evangelischer Komponist und Musiker, der sich ganz dem Verkündigen von Gottes Wirken in jedem Einzelnen, der Friedensbotschaft und der Zuversicht in diesen Zeiten verschrieben hat. Er hat große Oratorien komponiert, z.B. zu 1000 Jahre Chartre und für den Kölner Dom, er organisiert Mitsingkonzerte mit seinen Glaubens- und Friedensliedern bei freiem Eintritt. Im Jahr 2026 wird es eins in Berlin geben – ich werde berichten.