Wir kommen her von der Krippe, haben das Friedenslicht aus Bethlehem gehütet und sind über den Jahreswechsel gegangen. Mir ist das Bethlehem-Licht diesmal ausgegangen, ich habe es nicht so lange gehütet wie sonst. Aber viel wichtiger ist mir die Frage, konnte ich das Licht in mir halten? Konnte ich die Zeit zwischen den Festen, die manche ja als Raunächte begehen, nutzen, um Rück- und Vorschau zu halten, mich zu sammeln, zu Ruhe und Dankbarkeit zu finden?
Die Jahreslosung 2025 lautete: „Prüfet alles und behaltet das Beste.“ Konnte ich das manchmal beherzigen? Was habe ich Gutes behalten von den arbeitsreichen Zeiten, den Sonnen- und Urlaubstagen, von Begegnungen, überstandenen Kämpfen oder Krankheiten? Jedes Jahr wieder schnell vorübergeflossene, vergangene Zeit. Aber schaue ich genauer hin, auch gut gefüllte, sich manchmal dehnende, geschenkte Lebenszeit, die mich dankbar schauen lässt, wie sich die Wege doch immer wieder gefunden haben.
Und nun die Jahreslosung 2026: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“
Gott spricht zur Erde, zu allen Geschöpfen, zu mir. Und wie möchte ich gleich jubeln, wenn ich an Krieg, Umwelt, Politik und meine dreckige Straße denke: Au ja, mach alles neu! Aber so einfach ist das nicht. Gott macht, aber er braucht uns und unseren freien Willen für das Neue, auf der Welt und in uns. Und mal ehrlich, machen wir es uns nicht gern gemütlich beim Alten, gut Eingewohnten? Da kennen wir uns aus, damit haben wir gelernt umzugehen. Und jetzt hat nicht nur ein neues Jahr mit den üblichen guten Vorsätzen begonnen, nun will Gott alles neu machen! Das ist so wie als Kind von der Schaukel abspringen: es braucht Mut, es zuzulassen, eigene Kraft und die Entscheidung: Jetzt! Halten wir die Augen offen, unser Vertrauen griffbereit und auch unseren Mut, den Lernwillen und die Freude an Veränderungen und an neuen Worten und Gedanken.
Dieses neue Jahr ist ein sehr besonderes: 100 Jahre Johannische Kirche!! Und wir sind Teil eines langen Weges. Seit Jesu Wirken gab es viele Entwicklungen, verschiedene Wege, Reformationen und, wie zu Gründungszeiten unserer Kirche, Rückbesinnung auf das Urchristliche. Auch zu diesem Jubiläum passen die Jahreslosungen, auch da gibt es das Gute, das wir behalten sollen und das Neue, das Gott uns immer wieder ermöglichen, anbieten, ja, manchmal auch als Stolperstein vor die Füße legen möchte. Das schöne Lied „Vertraut den neuen Wegen“ kann uns dabei begleiten:
Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land. Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht. Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.
Text: Klaus Peter Hertzsch (zu finden im evangelischen und im katholischen Gesangbuch/ Gotteslob)
Halten wir die Augen offen, unser Vertrauen griffbereit und auch unseren Mut, den Lernwillen und die Freude an Veränderungen und an neuen Worten und Gedanken.