Eine gespannte Stille - Andreas Schmetzstorff, der mit Ulrike Gehde Teil des Inszenierungsteams war, erklärte zu Beginn: […]
„Das Passionsspiel selbst wurde 1952 geschrieben und … Seitdem hat sich die Welt dramatisch verändert. Sie hat sich weltweit und auch bei uns in Europa in immer weitere Konflikte und Kriege begeben, die wir nicht erwartet hätten. Und so ist es uns ein Anliegen, die Botschaft und die Leidensgeschichte unseres Heilands wieder in die Gegenwart zu bringen.
Aus diesem Grund haben wir mit dieser Neuinszenierung auf die sehr schönen und historisch einmaligen Gewänder, die zu diesem Stück gehören, verzichtet. Wir spielen also in diesem Jahr nicht in historischen Gewändern. Der Gedanke dahinter ist der, dass wir die Erzählung des Heilands, die politischen Auseinandersetzungen der Schriftgelehrten und der Mächtigen seiner Zeit und die Erlebnisse der Jünger, der Frauen und Männer um ihn herum, näher an uns heranbringen wollen. Und wir wollen dadurch auch vermeiden, dass wir Zuweisungen, Schuldzuweisungen vornehmen, in dem wir durch traditionelle Kleidung, Personengruppen kennzeichnen. Die Schuld des Menschen in seinem Verhältnis zum Heiland muss jeder in sich selbst nachspüren. Aber letztendlich sind wir alle beteiligt, wenn der Weg, den Jesus uns gewiesen hat – der Weg des Friedens, der Nächstenliebe, der Feindesliebe sogar, abgewiesen wird. Durch die gegenwärtige Kleidung kann jeder, der es möchte, in sich nachspüren, wie viel von einem Schriftgelehrten, einem Entscheidungsträger, einer Jüngerin oder einem Jünger auch in sich selbst steckt.“
Vielleicht liegt in diesen Worten auch eine Einladung, ehrlich hinzuschauen: Und wo finde ich mich selbst darin wieder – in welchen Worten, in welchen Haltungen, in welchen inneren Kämpfen? Es führt uns die Rollen vor Augen, die uns so fremd gar nicht sind: das Zögern, das Verurteilen, das Mitlaufen, aber auch das Vertrauen und die Liebe. In uns leben viele Stimmen zugleich – Schatten und Licht, Angst und Zuversicht.
Die Inszenierung hat diesen Gedanken eindrücklich getragen: Wir alle tragen diese unterschiedlichen Anteile in uns. Entscheidend ist, welchem wir Raum geben – ob wir der Angst folgen oder der Hoffnung, dem Zweifel oder dem Vertrauen. Umso berührender war das Schlussbild: Wie sich alle zu ihrem Glauben an die Auferstehung Jesu bekannt haben. Für einen Moment war der Raum erfüllt von Wärme, von Gemeinschaft und einer stillen, aber spürbaren Zuversicht. Ein Gefühl, das nachklingt und verbindet. Dafür und für dieses bewegende Erlebnis sei allen Mitwirkenden und Beteiligten von Herzen gedankt.
Die Geschichte ist über 2000 Jahre alt, das Stück 2 Jahre älter als ich. Oft gesehen und mitgesungen und nun im neuen Gewand erlebt, ja, neu erlebt! Kein Blick zurück, nein, ins jetzt geholt!
Auch wenn ich das Spiel durch die gemeinsamen Proben nun 5 mal miterleben durfte, hat es mich und andere jedes Mal wieder berührt, manchmal an bisher „überhörten“ Stellen oder Worten. Ein segensreiches Miteinander (200 Mitwirkende bei ca. 2000 Kirchenmitgliedern!) fand dann nach der letzten Aufführung seinen Abschluss mit sehr berührenden Dankesworten der Kirchenleitung und der Mitwirkenden untereinander, mit liebevoller Bewirtung von Meiko Röper und seinem Team und einer wunderbaren, dankbaren Stimmung, bei der mir die Worte einfielen: „sie waren einmütig beieinander.“
Stefan erinnerte uns an die Worte: „Gehet hinaus in alle Welt und wirkt mit dem Erlebten und dem erhaltenen Segen in eurem Leben.“